E-Scooter: alle Informationen zu den neuen Verkehrsteinehmern

In Folge #17 des GadgetFunk haben wir uns mit Belkan Günes, Compliance Officer bei iconBIT Deutschland, unterhalten. Wir reden über die Neuerungen und Auswirkungen der im Juni 2019 verabschiedeten Zulassung für E-Scooter (eKFV) und über Aspekte des E-Scooting im Allgemeinen.

In unserem Blog haben wir die wichtigsten Punkte und Informationen des Gespräches nochmals für Euch zusammengefasst.

Was ist denn überhaupt beschlossen worden?
Am 15.06.2019 hat der Bundesrat die eKFV (elektro Kleinstfahr-Verordnung) verabschiedet. Der Grund für die gesetzliche Regelung ist das stetige quantitative Wachstum der Kleinstfahrzeuge und die damit einhergehende Notwendigkeit, die Teilnahme am Straßenverkehr zu regeln.
In der eKFV ist festgelegt, welche Scooter am Straßenverkehr teilnehmen dürfen und welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen.

Für welche Geräte gilt die eKFV?
Die eKFV gilt nur für Kickscooter, die mit einer Betriebserlaubnis am Straßenverkehr teilnehmen dürfen.
Hier ist Vorsicht geboten, denn nicht alle E-Scooter sind von Haus aus berechtigt, in öffentlichen Umgebungen eingesetzt zu werden.
Zur Erklärung:
Die eKFV gilt nur für Kickscooter. E-Hoverboards etc. dürfen nicht auf die Straße; E-Bikes sind bereits geregelt.

Was bedeutet Straßenverkehr in diesem Zusammenhang?
Die (berechtigten) Kickscooter dürfen, ähnlich wie Fahrräder, am Straßenverkehr teilnehmen.
Konkret bedeutet das: Die Geräte sollen auf Radwegen genutzt werden. Sind solche nicht vorhanden, darf im Ausnahmefall auf die Straße ausgewichen werden. Gehwege sind tabu.

Rechtliches: ABE vs. EBE
Die ABE ist die allgemeine Betriebserlaubnis und gilt für Scootertypen. Das heißt, dass wenn beispielsweise die Baureihe „GadgetFunk Scooter A“ eine ABE erworben hat, sämtliche Produkte dieser Baureihe direkt ‚out oft he box‘ am Straßenverkehr teilnehmen dürfen (Versicherung vorausgesetzt).
Im Gegensatz dazu ist die EBE (die Einzelbetriebserlaubnis) eine Zulassung für ein Gerät ohne ABE, das aber entsprechend aufgerüstet worden ist und eine Fahrerlaubnis nachträglich erhalten hat.

Versicherung:
Eine Versicherung ist zwingend notwendig, um am Straßenverkehr teilnehmen zu dürfen. Diverse Versicherungen bieten hierzu bereits Angebote für Elektrokleinstfahrzeuge mit ABE oder EBE an. Der Kostenrahmen bewegt sich dabei zwischen 20 und 40 Euro pro Jahr.
Wir gehen davon aus, dass auch der Versicherungsmarkt schnell reifen wird und zeitnah noch mehr und maßgeschneiderte Produkte anbieten wird.

Bußgelder:
Verstöße gegen die eKFV können teuer werden.
Fahren ohne allgemeine Betriebserlaubnis (ABE, EBE) kostet …€ 70,-
Fahren ohne Versicherung: € 40,-
Fahren ohne Beleuchtung: € 20,-

Welche Scooter dürfen auf die Straße und ab wann?
Alle Geräte, die über eine entsprechende ABE oder EBE verfügen dürfen am Straßenverkehr teilnehmen.
Stand heute (21.06.2019) gibt es lediglich einige wenige Geräte, die bereits für den Straßenverkehr zugelassen sind. Das liegt daran, dass die entsprechenden Hersteller die Zulassung für den Straßenverkehr bereits auf anderem Weg – vor Verabschiedung der eKFV – erworben haben. Unternehmen wie BMW profitieren in diesem Prozess natürlich von internen Synergien und langjähriger Expertise.
Alle ‚neuen‘ Scooterhersteller müssen ab jetzt in Zusammenarbeit mit dem Kraftfahrtbundesamt die Zulassungen für ihre Produkte erwerben. Diese werden dann von Prüfinstituten wie dem TÜV abgenommen. Scooterhersteller wie iconBIT, die bis dato in anderen Geschäftsbereichen als der Kraftfahrzeugherstellung tätig waren, haben also noch einen Weg durch die Zulassungsinstanzen zu gehen, bevor sie ihre Ware in die Regale legen können.
Im neu entstehenden Kickscooter-Markt treffen also alteingesessene Fahrzeughersteller und Unternehmen aus der UE (Unterhaltungselektronik) aufeinander. Voraussichtlich werden diese Unternehmen ihre Angebote deshalb erst gegen Ende Juli/August mit allen Zertifikaten anbieten können.

Wo steht Deutschland im internationalen Vergleich?
Grundsätzlich sind andere Länder bereits weiter im Thema Scooter und E-Mobility.
Allerdings wird im Ausland auch sehr häufig auf lokale Regelungen zurückgegriffen. In Paris können deswegen andere Regelungen geben als in anderen französischen Städten.
Für Deutschland gelten mit der eKFV die gleichen Regelungen landesweit.

Wie zuverlässig sind Kickscooter?
Kurze Antwort: sehr zuverlässig.
Durch die Regularien, die die Hersteller zu erfüllen haben, wird sichergestellt, dass sämtliche zugelassenen Geräte ‚deutschen‘ Qualitätsmerkmalen entsprechen.

Wo kann ich Kickscooter erwerben?
Die kleinen Flitzer können beim Hersteller direkt, aber auch bei allen Elektrohändlern gekauft werden. Dazu gehören MediaMärkte, Saturns genauso, wie zum Beispiel auch Amazon.

Einfluss von Wetter auf Kickscooter
Wasser in Form von Pfützen und nassen Fahrbahnen macht den Kickscootern (elektronisch) nichts aus. Entsprechender Schutz ist durch die Regularien garantiert.
Vorsicht ist allerdings bei Temperaturen geboten! Die Akkus sind überwiegend Lithium-Ionen Batterien. Bei Temperaturen unter 0 Grad leidet sowohl die Performance als auch die Haltbarkeit. Auf der anderen Seite ist bei Temperaturen ab 50° absolute Vorsicht geboten.

Worauf muss ich beim Kickscooter-Kauf achten?
Die Kardinalfrage bei dieser Frage ist: Wofür benutze ich das Gerät?
Für den Weg zur Arbeit bieten sich leichte und faltbare Scooter an. Das geht normalerweise auch mit reduziertem Gewicht der Geräte einher. Allerdings ist dann meist Reichweite der Scooter geringer.
Für den Outdoor-Einsatz machen stabilere Geräte mit zB. festeren Reifen Sinn.
Außerdem: Wie wichtig ist mir Leistungsfähigkeit des Motors? Faktoren wie Beschleunigung und Reichweite können gerade bei unebenem Gelände entscheidend sein.
Irrelevant ist die Geschwindigkeit, da die eKFV eine Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h vorschreibt.

Jetzt kaufen oder warten?
Die Produkte sind im Grunde nicht neu. Neu ist lediglich die Straßenzulassung für bestimmte Produkte.
Deshalb sind keine riesigen Entwicklungssprünge zu erwarten.
Die Kaufentscheidung mit Hoffnung auf schnelle Entwicklungszyklen zu vertagen macht also keinen Sinn.

Was kosten eKFV-konforme Geräte?
Derzeit (Juni 2019) sind lediglich drei (höherpreisige) Geräte verfügbar und zugelassen.
Preislich beginnt der Spaß (Stand Juni 2019) bei 1.600 – 1.700 €. Bereits jetzt im Angebot sind zum Beispiel der Metz-Mover für € 1.998,- und der BMW X2 für € 2.399,-.
Die Geräte der UE-Hersteller werden dann ab August verfügbar sein und auch massentauglichere Preissegmente ansprechen. Das wird bei ca. € 399,- beginnen und nach oben hin skalierbar sein (je nach Akkugröße, Verarbeitung, Konfiguration, Motorleistung, Gewicht, ….)

Das gesamte Gespräch könnt ihr hier nachhören.

Habt Ihr noch Fragen?

Dann stellt sie bitte und wir werden diesen Artikel gerne um die Antworten erweitern.

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